Job Happiness - Mach, was du wirklich, wirklich willst ©stock.adobe.com ValentinValkov
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Job Happiness - Mach, was du wirklich, wirklich willst

In der dritten Folge unserer Glücksserie geht es darum, glücklich und erfüllt zu arbeiten – also zu tun, was stärkt und nicht schwächt. Wie sieht das bei Ihnen aus? Sind Sie glücklich im Beruf und machen das, was Sie wirklich, wirklich wollen? Einer, der das offensichtlich geschafft hat und damit sein Geld verdient, ist Christoph Magnussen, Gründer, Unternehmer und Berater. Er hilft unter anderem Menschen und Unternehmen, ihre Zusammenarbeit zu verbessern und zu stärken unter dem Begriff „New Work“ (neue Arbeit). Wir sprachen mit ihm über Work-Life-Balance, Glück und die Vier-Sekunden-Atemtechnik der Navy Seals für neuen gedanklichen Freiraum.

Christoph, gibt es für dich „Glück“ im Beruf?

Wertschätzung für das, was ist. Wir sind ja oft auf der Suche nach dem Glück, mancher geht ihr sogar verbissen nach und lässt sich immer weiter treiben, ohne es je zu spüren. Ich glaube aber, dass man Glück findet, nicht suchen kann. Wenn ich mich in jedweder Situation auf das besinne, was ist und es als genau das annehme, dann finde ich darin auch Glück.

 

Geld allein macht im Job nicht glücklich, was dann?

Im Rahmen des New-Work-Konzepts umfasst Glück das Erleben von Autonomie und Flexibilität, die Möglichkeit, persönliche Talente und Fähigkeiten einzubringen, sowie die Aussicht auf berufliche Weiterentwicklung. Es geht darum, dass die Arbeit nicht nur als Mittel zum Lebensunterhalt gesehen wird, sondern als eine Chance, sich zu entfalten und persönlich zu wachsen.

 

Eine Arbeit, die man wirklich will, macht glücklicher, sagte Sozialphilosoph und Anthropologe Frithjof Bergmann. Volkswirt Günter Faltin formulierte es so: Jeder sollte vom eigenen Potenzial, seinen Neigungen, Erfahrungen und von Erlebtem profitieren können. Also: Folge deiner Berufung, und du bist glücklicher. Aber wie erreiche ich das?

Das Streben nach Glück schließt in dem Sinne ja auch soziale Aspekte ein, wie die Förderung von Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Wertschätzung in der Arbeitsumgebung. Ein starkes Gemeinschaftsgefühl, offene Kommunikation und eine positive Arbeitskultur tragen dazu bei, dass wir uns unterstützt und verbunden fühlen, was das Glücksempfinden stärkt. Es liegt sehr viel im „Wie“ wir arbeiten, und das findet im Alltag häufig nicht genug Beachtung, gerade in stressigen Phasen.

 

Wie finde ich heraus, was stimmig ist zu meiner Person? Wie ermittle ich meine Stärken?

Mein Lieblingstool dafür ist der StrengthsFinder, neuerdings auch CliftonStrengths genannt. Damit kann man herausfinden, welche Talente – basierend auf einem Pool von 34 Kategorien – am stärksten bei einem ausgeprägt sind. Bei uns im Team machen alle den Test, sodass auch alle voneinander wissen, worauf sie beim jeweiligen Gegenüber besonders setzen können. Ganz persönlich schreibe ich aber auch seit vielen Jahren Tagebuch, und seien es nur ein paar kurze Stichpunkte. Was bewegt mich gerade, welche Ziele will ich verfolgen und wie weit bin ich davon noch entfernt? Oder auch: Was habe ich schon alles erreicht? Das hilft mir im Nachhinein immer wieder nachzujustieren, was für mich wirklich wichtig ist.

 

Was bedeutet „New Work“ für dich?

Ganz im Sinne von Frithjof Bergmann: Das zu tun, was ich wirklich, wirklich will. Jederzeit. Es gibt aber auch Phasen, in denen dieses Ideal etwas in die Ferne rückt, wo man einfach anpacken muss – gerade als Unternehmer. Da hilft es mir dann, mich durch Meditation oder eben das Tagebuch an den Idealzustand zu erinnern und mein Bestes zu geben.

blackboat.com
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Arbeit und Privatleben nicht mehr voneinander zu trennen, ist die Idee von New Work – wie kann das praktisch funktionieren?

Patchwork-Papa, Unternehmer, Podcaster, Creator – ich selbst versuche, all diese und noch mehr Rollen unter einen Hut zu kriegen. Das gelingt nicht immer und ich lerne stetig dazu, vor allem durch den Austausch mit anderen. Ein wesentlicher Aspekt aber, damit es mit der Vereinbarkeit klappt, ist die Flexibilität, die man sich selbst schaffen kann oder die die Organisation, innerhalb derer man arbeitet, einem bietet. Obstkörbe und anderer Schnickschnack sind schön und gut. Aber wenn man es schafft, dass alle sich flexibel und frei einteilen können, wann, wo und wie sie arbeiten, ohne dabei die Flexibilität und Freiheit der anderen zu beeinträchtigen, dann kommen wir der Vereinbarkeit einen großen Schritt näher. Dazu braucht es zuallererst klare Regeln zur Kommunikation. Wer ist wann, wie und wo erreichbar, wann kommen alle ins Büro, was passiert im Notfall – das sollte jede Organisation einmal durchspielen und festhalten.

 

Welche Rolle spielen Sinnhaftigkeit und echte Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit dabei?

Eine große, denn schließlich stellt sich bei New Work immer die Sinn-Frage. Niemand kann aber erwarten, direkt auf alles Antworten zu finden. Das ist ein Prozess. Aber diesen Prozess zu starten und den Weg zu gehen, das ist extrem wichtig. Denn gerade in Hinblick auf die großen Herausforderungen hilft es, sich selbst einzuordnen. Was will ich, wo will ich hin, was brauche ich auf dem Weg – damit geht es los.

 

Inwieweit macht es glücklicher, mehr Neues zu machen oder häufiger mit Leuten zu interagieren?

Bei Blackboat haben wir das Motto „New is good“. Wir sind offen für alle neuen Trends und Technologien, probieren ständig Neues aus. Nur so können wir uns einzeln und gemeinsam nach vorn entwickeln und – dafür sind wir ja da – auch anderen dabei helfen, mit Neuem umzugehen und es sinnvoll einzusetzen. Wesentlicher Teil ist, dass wir das interaktiv machen und uns zusammensetzen, ausprobieren und testen. Dadurch kommt Lebendigkeit ins Spiel und eine Schaffenskraft, die einen durchaus auch glücklicher machen kann.

 

Im hektischen Alltag finden wir oft kaum Zeit für uns selbst, wissen nicht, wo uns der Kopf steht. Ein Mittel sich gedanklichen Freiraum zu schaffen, ist zum Beispiel die „Vier-Sekunden-Atem-Technik“ der Navy Seals, die du empfiehlst?

Genau! Als absolute Elitesoldaten müssen die Navy Seals vor allem eines beherrschen: sich selbst. Mentales Training ist eine wesentliche Komponente ihrer Ausbildung und hilft, in schwierigen Situationen den Kopf über Wasser zu halten. Die Methode des „Box Breathing“ kann aber auch jeder Normalo für sich nutzen, um zu sich zu finden.

 

Wie funktioniert die Technik?

Beginne damit, ruhig und tief durch die Nase einzuatmen, während du in deinem Inneren bis vier zählst. Erlaube der Luft, sanft in deinen Bauchraum zu fließen. Halte den Atem an und zähle dabei im Geiste langsam bis vier. Atme nun ruhig durch den Mund aus, während du wieder bis vier zählst. Spüre, wie du erneut den Atem anhältst, während du langsam bis vier zählst.

Man sollte diese Atemübung 5 bis 10 Minuten lang immer wieder wiederholen, eventuell mit geschlossenen Augen. Das „Box Breathing“ hilft, Stress abzubauen und eine innere Balance zu finden.

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Christoph Magnussen blackboat.com
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Apropos Stress: Arbeitstreffen (Meetings) stressen die meisten Menschen. Wie können Besprechungen kürzer und effektiver durchgeführt werden?

Indem sie gar nicht erst angesetzt werden! Im Ernst, den Reflex „Oh, hier ist ein Thema, lass‘ uns mal drüber quatschen“ und dafür dann direkt zwei Stunden Meeting in die Kalender packen, den müssen wir uns abtrainieren.

 

Was funktioniert statt eines Meetings besser?

Stattdessen können andere Formate wie unser „Asynchrones, fleXibles Meeting“, kurz AXM, viel besser das liefern, was wir brauchen: Klarheit.

Ein AXM kann etwa eine Videobotschaft von mir im internen digitalen Kommunikationsmedium – wie bspw. Teams – sein, in dem ich eine Fragestellung aufmache und erläutere, was meiner Meinung nach zu tun wäre. Alle anderen im Team, die das Thema auch betrifft, können sich dann nach Belieben das Video ansehen und darunter kommentieren. Durch die asynchrone Diskussion werden bestenfalls direkt Lösungswege gefunden, oder es wird doch noch ein synchrones Meeting anberaumt. Dann aber ist schon ganz klar, worum es eigentlich geht und was am Ende rauskommen soll. Und wenn ein Meeting schon nicht von Anfang an ausgeschlossen werden kann, dann ist eine vorab festgelegte Agenda – wer ist dabei, worum geht es, wo wollen wir hin, was soll entschieden werden, wann soll das Ergebnis stehen – absolutes Must-have (unbedingt notwendig).

 

Welche Einstellung zum Zufall, Erfolg und Glück würdest du Leuten empfehlen?

Die Dinge sind, wie sie sind. Wer etwas daran ändern will, sollte bei sich selbst anfangen!

 

Danke für das Gespräch!

 

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