Wo kommt das schlechte Gewissen her?
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Wo kommt das schlechte Gewissen her?

Haben Sie auch schon einmal Ihre ­Vorsätze über Bord geworfen? Dann geht es Ihnen so wie vielen anderen Menschen. Da nagt etwas an einem – das schlechte Gewissen: Wo kommt das her?

Schlechtes Gewissen

Wer eigene Fehler einräumt,
erkennt an, dass etwas schief gelaufen ist ...

 

Das schlechte Gewissen meldet sich, wenn man merkt, dass man sich nicht so verhalten hat, wie man es selbst von sich erwartet. „Ich wollte doch immer rechtzeitig den Papiermüll rausstellen und eigentlich nicht mehr rauchen, nur noch Mineralwasser trinken, keinen Zucker mehr essen …“ Solche Versprechen rufen das Gewissen auf den Plan. Den Geburtstag des Kollegen vergessen, die Freundin nicht zurückgerufen, im Gespräch aus der Haut gefahren – das kennt fast jeder.

Auch nach einem Streitgespräch schaltet sich gerne das schlechte Gewissen ein, wenn einem etwas herausgerutscht ist, obwohl man doch sachlich bleiben wollte. Man spürt, wie fehlbar man selbst ist und wie verletzlich das Gegenüber. Das alles ist menschlich, aber bald schon setzt Reue ein. Wie lässt sich Gesagtes wieder gut machen? „Wer eigene Fehler einräumt, erkennt an, dass etwas schief gelaufen ist und geht gelassener durchs Leben“, sagen Psychotherapeuten.

 

Das Gewissen dient als Kompass des eigenen Wertesystems. Dadurch merkt man schnell, dass etwas nicht stimmt und es vielleicht ratsam ist, das eigene Verhalten zu ändern. Es schützt vor wiederholt schlechten Taten. So entwickeln wir uns selbst weiter. Gesellschaftlich gesehen ist unser Gewissen für ein funktionierendes Miteinander erforderlich.

Psychotherapeuten unterscheiden zwischen einem schlechten Gewissen, welches aus einem Fehler resultiert und einem, welches aus Scham hervorgeht. Sie erklären, dass Scham oft mit dem flauen Gefühl aufkomme, versagt zu haben und nicht gemeinschaftsfähig zu sein. Kinder, die zum Beispiel mit ständig streitenden und schimpfenden Eltern aufwachsen, fühlen sich selbst schuldig. Das kann Minderwertigkeitsgefühle auslösen. In der Pubertät wankt das Selbstwertgefühl sowieso sehr stark, daher ist ein ausgeprägtes Schamgefühl typisch. Da brodelt die Quelle für schlechtes Gewissen heftig. Es ist herausfordernd, diese Zeit unbeschadet zu überstehen und zu lernen, jugendliche Scham abzubauen. Auch im hohen Alter können Menschen unter den unterschiedlichsten Formen schlechten Gewissens leiden, sei es weil sie den Ehepartner überlebt haben, bis hin zu einschneidenden Erinnerungen, die sie nicht mehr loslassen.

Solche Situationen lassen sich nicht so leicht abstreifen wie misslungene Vorsätze zum Jahresanfang. Wer das eigene Verhalten gut reflektiert, wird sich für das kommende Jahr wahrscheinlich Ziele setzen, die realistisch und umsetzbar sind, um das Glück in die eigene Hand zu nehmen.

 

Das hilft auch bei schlechtem Gewissen

Wer im Leben etwas versucht, kann scheitern. Kein Mensch ist perfekt! Wer das akzeptiert, kann unverzagter an neue Vorhaben herangehen. Fehler zu machen oder zu scheitern, fühlt sich nicht gut an, aber man lernt dadurch und wächst innerlich.

Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse, sie sind mindestens so wichtig wie die der anderen: Tun Sie, was Sie vor sich selbst verantworten können, worauf Sie Lust haben und nicht was andere von Ihnen erwarten.

Bei Konflikten schlagen Sie besser den direkten Weg ein, und nehmen Sie direkt Kontakt mit demjenigen auf, den Sie beleidigt haben. Entschuldigen Sie sich dabei allerdings nicht für eigene Gefühle. Es ist eine Stärke, Gefühle zu zeigen.

Fragen Sie sich, wer oder was hinter dem schlechten Gewissen steckt. Gibt es tatsächlich Handlungsbedarf am eigenen Verhalten, oder tyrannisiert Sie vielleicht die Stimme im Kopf, die ständig „hätte, könnte, sollte“ ruft?

Lassen Sie sich Zeit, anstatt sofort zu handeln. Manchmal hilft es auch, das schlechte Gewissen beiseite zu stellen, wenn man Schwierigkeiten hat, es richtig einzuordnen. Ist es unangebracht, erledigt es sich meist von selbst.

 

Sie müssen kein schlechtes Gewissen haben. Es fühlt sich sogar gut an, eine unangenehme Aufgabe nicht zu machen!

 

 

Das macht wieder glücklich
Sagen Sie Nein, wenn Sie Dinge – wie unnötige Fleißarbeiten, die sonst niemand machen will – aufgeschwatzt bekommen. Sie müssen kein schlechtes Gewissen haben. Es fühlt sich sogar gut an, eine unangenehme Aufgabe nicht zu machen! Nutzen Sie das Nichtstun, um die Gedanken fließen zu lassen. Genießen Sie die Langeweile, da entstehen meist auch gute Ideen.
Finden Sie heraus, was Sie glücklich macht und Ihnen gut tut. Nehmen Sie sich dann möglichst viel Zeit für das, was Ihnen wichtig ist.
Notieren Sie zum Beispiel täglich drei Dinge, für die Sie dankbar sind – egal wie groß oder klein sie auch sein mögen. So lernen Sie, mehr darauf zu achten, was glücklich macht.

 

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