Helikoptereltern, nein Danke

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Eltern und Erziehung

Helikoptereltern, nein Danke

Was sind denn eigentlich diese sogenannten Helikopter­eltern? Sie werden oft wie folgt definiert: „Überfürsorgliche und überängstliche Eltern, die ihrem Kind kaum von der Seite weichen. Diese Eltern, bemerken oft nicht, dass ihre Liebe die Kinder erdrückt.“ Wie so oft im Leben gilt es, die richtige Balance zu finden.

Kinder können nur selbstständige und selbstbewusste Erwachsene werden, wenn sie sich schon als Kinder ausprobieren, Neues entdecken und Grenzen austesten können. Alles fängt ganz harmonisch an – Säuglinge sind in einer Art Symbiose mit ihren Eltern. Doch schon in der ersten Autonomiephase, die mit ca. 2 Jahren beginnt, schreien Kinder nach Selbstbestimmung. „Neeeiiiin, will ich nicht!“ „Kann ich alleine“, „selber machen“ – das kommt sicher allen Eltern bekannt vor. Kinder beginnen dann, sich mehr und mehr von ihren Eltern zu lösen und ihren eigenen Willen zu entwickeln. Diese Phase ist harte Arbeit für alle! Kinder lernen, dass sie eigene Bedürfnisse haben, Eltern und Andere nicht immer die gleichen Gefühle haben und sie selbst nicht immer ihren Willen bekommen. Diese Dinge lernt ein Kind nicht, wenn jeder Wunsch sofort erfüllt wird und keine Fehler erlaubt sind! Eltern erfahren: Die „richtige“ Erziehung gibt es nicht.

 

Im Idealfall wollen wir alle nur das Beste für unsere Kinder, doch Hindernisse und Stolpersteine machen stark und sind ein wichtiges Element für die Weiterentwicklung.

 

Warum scheinen immer mehr Eltern zur „Überbehütung“ zu neigen? Mütter und Väter entwickeln intuitiv einen sogenannten siebten Sinn für ihren Nachwuchs. Dann kommt eine Flut an Tipps, Apps und Ratschlägen von außen, die das eigene Bauchgefühl schwächen. Keine App aber kann zum Beispiel den richtigen Trink- und Essrhythmus bestimmen, denn kein Tag ist wie der andere. Wir Erwachsenen haben auch nicht jeden Tag gleichviel Hunger. Es ist sicher richtig, sich Rat zu holen, wenn man unsicher ist, aber lassen Sie sich nicht verrückt machen – vor allem dann nicht, wenn das Bauchgefühl sagt: Es ist alles gut. Aus dieser Verunsicherung kann sich übertriebene Fürsorge entwickeln.

Wir haben bei Sozialpädagogin Myra nachgefragt. Sie hat in der Krippe, Kita und Schulkindbetreuung gearbeitet – von 0 bis 14 Jahren war alles dabei. Zum Thema Helikoptereltern ist ihr eines besonders wichtig: „Manchmal sollte man sich fragen, ob es wirklich noch um die Bedürfnisse des Kindes geht, oder so gehandelt wird, dass die eigenen Sorgen, Wünsche und Bedürfnisse im Vordergrund stehen.“

 

Reflektieren Sie sich als Eltern: Trifft ein Großteil der folgenden Aussagen auf Sie zu?

  1. Sie sind sofort zur Stelle, um alles Unangenehme und Schlechte von Ihrem Kind fernzuhalten.
  2. Wenn Ihr Kind alleine im Garten spielt, werden Sie nervös und bleiben lieber dauerhaft in der Nähe.
  3. Sie bringen Ihr Kind überall mit dem Auto hin, so müssen Sie sich keine Sorgen machen, dass ihm etwas passiert.
  4. Sie wollen Ihr Kind vor möglichst jedem Fehler oder falschen Entscheidungen beschützen. Sie bestimmen lieber selbst, mit wem es zum Beispiel befreundet sein sollte oder welches Hobby das richtige ist.
  5. Für freies Spielen, stundenlanges Rutschen und Schaukeln hat Ihr Nachwuchs keine Zeit, denn der Terminplan ist voll mit dem optimalen Förderprogramm – Sport, Musik und Englischunterricht.
  6. Obwohl Ihr Kind erst in den Kindergarten gekommen ist, wissen Sie schon ganz genau wie seine berufliche Laufbahn aussehen soll.
  7. Sie helfen jeden Tag bei den Hausaufgaben.
  8. Sie wollen immer ganz genau wissen, wo und mit wem Ihr Teenager unterwegs ist.
  9. Sie haben eine App, mit der Sie den Standort Ihrer Kinder jederzeit abrufen können.

 

Helikopter-Eltern stehen in der Kritik, weil sie ihr Kind darin beschränken, sich selbst zu entfalten. Aber es muss selber ausprobieren können, damit es eigene Stärken kennenlernt und Schwächen akzeptiert. Überlegen Sie: Ist es wirklich notwendig, dass Sie mit zu jedem Spielgerät auf dem Spielplatz gehen? So nehmen Sie Ihrem Kind vielleicht die Möglichkeit, andere Kinder kennenzulernen. Nur wer selbst einmal im Sandkasten nicht mitspielen darf, entwickelt Empathie und lernt mit Frustration umzugehen – alles wichtige Elemente für das spätere Erwachsenendasein. Das Leben ist nicht immer einfach, und als Elternteil können Sie nicht immer da sein, um Ihr Kind zu schützen. Wie soll es später im Berufsleben mit Kritik oder der Trennung von einem Partner umgehen, wenn es sein Leben lang auf ein Podest gehoben wurde? Es kommt die Erkenntnis, dass Eltern irgendwann keinen Einfluss mehr auf das vollkommene Glück ihres Kindes nehmen können. In dieser Situation wird es manchen den Boden unter den Füßen wegziehen. Menschen, die schon als Kind gelernt haben, mit Problemen umzugehen, sind hier deutlich stabiler.

 

©©istockphoto.com - Maria Sbytova
©©istockphoto.com - Maria Sbytova
Probieren Sie es einmal so: Nehmen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes ernst. Will Ihr Kind immer überall raufklettern und ist total abenteuerlustig, aber Sie sind sehr ängstlich? Dann werden Sie kreativ, machen Sie einen Kompromiss und nutzen Sie Kletterhallen mit Absicherungen und professioneller Hilfestellung der Trainer. Das ist teilweise schon für kleine Kinder möglich. Auch Indoorspielplätze sind voller Schaumstoff und Absicherungen. So kann Ihr Kind sich austoben, und Sie sind vielleicht in Zukunft entspannter, wenn es auf dem Spielplatz etwas wilder wird. Gewohnheiten sind hartnäckig, das wissen wir alle. Versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die richtige Balance zu finden.

 

Und dann ist da noch die Pubertät. Sie haben Ihr Kind sicher und voller Fürsorge durch die Grundschule gebracht, und plötzlich will es nicht mehr zur Schule gebracht werden? Sie sind plötzlich peinlich? Das ist ein Schicksal, dem Sie nicht entkommen können, und das ist gut so! Dieser Abnabelungsprozess ist Teil des Erwachsenwerdens. Führerschein, erste Partys, Bewerbungen, Ausbildung, Studium und Partnerwahl – das Teenageralter ist voller großer Momente und Entscheidungen. Es kann ein schmaler Grad zwischen Unterstützen und Bevormunden sein. Versuchen Sie sich etwas zurückzunehmen. Bieten Sie Ihre Hilfe an, aber drängen Sie sich nicht auf. Am Ende ist es doch nur wichtig, dass Ihr Kind lernt sich in der Welt behaupten zu können, und sich trotz Meinungsverschiedenheiten von Ihnen geliebt fühlt.

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