Eine Frau sitzt auf einem Sofa uns strickt

Hände beschäftigen, Kopf entlasten: Warum DIY so guttut – gerade im Alltag

Der Kopf ist voll, das Handy liegt griffbereit und zack, das Scrollen beginnt wieder. Dabei suchen viele eigentlich etwas anderes: einen kleinen Gegenpol. Etwas, das den Alltag kurz anhält. Kreatives Tun kann genau das sein. Stricken, Malen, Puzzeln, Basteln oder Reparieren – sobald die Hände beschäftigt sind, wird es im Kopf oft leiser. Und am Ende bleibt dieses gute Gefühl: „Ich habe was geschafft.“

 

Wenn die Hände arbeiten, wird es im Kopf ruhiger

 

Vielleicht kennen Sie das: Sie sind mitten im Tun, die Zeit vergeht und das Gedankenkarussell rückt in den Hintergrund. Das ist nicht nur ein Bauchgefühl – es lässt sich auch wissenschaftlich erklären. Kreative Tätigkeiten bündeln Aufmerksamkeit, reduzieren Ablenkung und geben dem Gehirn eine klare Aufgabe.

Ein gut untersuchter Baustein ist dabei Stress: In einer Studie von Kaimal, Ray & Muniz (2016) sank bei Teilnehmenden nach 45 Minuten freiem Gestalten (z. B. mit Papier, Ton, Collage) der Stressmarker Cortisol im Durchschnitt signifikant. Und zwar unabhängig davon, ob die Personen sich „kreativ“ fanden oder nicht.

 

DIY ist keine „Kunst“, sondern eine Mini-Auszeit

 

Wichtig ist: DIY muss nicht schön, perfekt oder Instagram-tauglich sein. Es geht um die Erfahrung, im Moment zu sein. Manche nennen das Flow: ein Zustand, in dem man konzentriert ist, ohne sich dabei angestrengt zu fühlen.

 

Ein unterschätzter Effekt von DIY ist das Ergebnis: Etwas ist fertig. Etwas funktioniert wieder. Etwas ist entstanden. Diese kleinen Erfolgserlebnisse können das Gefühl stärken, den eigenen Alltag aktiv gestalten zu können. Und genau dieses Gefühl – Selbstwirksamkeit – gilt in der Psychologie als wichtiger Schutzfaktor für die mentale Gesundheit. Besonders schön: Dieses „Ich hab’s gemacht“-Gefühl gibt es auch bei ganz einfachen Dingen. Ein Puzzle mit 500 Teilen. Eine Schublade, die nicht mehr klemmt. Ein selbst gemaltes Bild, das einfach nur Spaß gemacht hat.

 

Weniger Reizflut, mehr echte Erholung

 

DIY ist außerdem eine praktische Alternative zur Reizflut. Denn Handytätigkeit fühlt sich oft nach Pause an – ist aber häufig nur ein weiterer Input. Kreatives Tun dagegen ist aktive Erholung: Die Hände sind beschäftigt, die Aufmerksamkeit ist gebunden, der Kopf wird entlastet.

Passend dazu zeigen Untersuchungen, dass kreative Aktivitäten (z. B. künstlerische und handwerkliche Tätigkeiten) mit höherer Lebenszufriedenheit, Glück und dem Gefühl von Sinn zusammenhängen. Eine Studie in BMC Public Health (2019) untersuchte langfristige Zusammenhänge und fand statistisch relevante Verbindungen zwischen (kultureller/kunstbezogener) Aktivität und mentalen Gesundheitsdaten.

 

Ein kleines Januar-Ritual, das bleibt

 

Vielleicht ist das die beste Nachricht: Sie müssen dafür nichts Großes starten. Ein Mini-Ritual reicht – 10 bis 20 Minuten.

  • Puzzle am Küchentisch, statt Handy auf dem Sofa
  • Stricken oder Zeichnen als „Runterkomm-Moment“ am Abend
  • Ein Reparier-Projekt am Wochenende ohne Zeitdruck

Nicht, um produktiver zu sein. Sondern, um sich selbst eine kleine Pause zu geben.

Denn DIY ist eine einfache, alltagstaugliche Methode, um Stress zu senken, den Fokus zu stärken und sich wieder mehr „bei sich“ zu fühlen. Schon kurze kreative Phasen können entlasten und das gute Gefühl am Ende ist oft der beste Beweis.

 

Quellen:

https://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/07421656.2016.1166832

https://link.springer.com/article/10.1186/s12889-019-8109-y

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